KI-Lösungen · Use Case

Produktionsreihenfolge und Linienbalancierung per Ablaufsimulation optimieren

Siemens Manufacturing-Karlsruhe nutzt Tecnomatix Plant Simulation zur täglichen Ablaufsteuerung und Linienbalancierung in der variantenreichen Elektronikfertigung. Ein interner Optimierungsalgorithmus berechnet auf Basis von SAP-ERP-Daten die ideale Auftragsreihenfolge für den Folgetag. Das Verfahren verhindert Engpässe und ermöglicht die wirtschaftliche Fertigung kleinster Losgrößen bei hoher Variantenvielfalt.

Siemens Manufacturing-Karlsruhe fertigt 24.000 Produkte bei einer durchschnittlichen Losgröße von nur 1,8 Geräten. Durch den Einsatz ereignisdiskreter Ablaufsimulation steuern Mitarbeitende die tägliche Fertigung vorausschauend und sichern maximale Liefertreue.

Worum es geht

In der Elektronikfertigung von Siemens Manufacturing-Karlsruhe werden rund 24.000 Produkte mit einer durchschnittlichen Losgröße von nur 1,8 Geräten hergestellt. Um diese enorme Varianz bei schwankenden Auftragsvolumina zu beherrschen, setzt das Werk auf eine ereignisdiskrete Ablaufsimulation mit Tecnomatix Plant Simulation. Arbeitsplatzkapazitäten, Schichtmodelle und Auftragsdaten werden direkt aus dem SAP-ERP-System in das Simulationsmodell übertragen. Ein eigens programmierter heuristischer Algorithmus ermittelt die ideale Auftragsreihenfolge und simuliert Backwards-Scheduling-Szenarien vor der Freigabe an die Linie. Durch modulare Simulationsbausteine lassen sich neue Fertigungszellen in rund zwei Stunden modellieren und vor der physischen Inbetriebnahme virtuell balancieren. Das System unterstützt das Werk dabei, eine fehlerfreie Produktion, termingerechte Lieferungen und eine ressourceneffiziente Fertigung sicherzustellen.

Einordnung

  • Reifegrad: Mature
  • Komplexität: Mittel
  • Technologie: Discrete-Event-Simulation (Tecnomatix Plant Simulation), heuristische Optimierungsalgorithmen, digitale 3D-Zwillinge, ERP-Integration (SAP)

Typische Einsatzmuster

  • Ein Produktionssteuerer lädt morgens die aktuellen SAP-Auftragsdaten in das Simulationsmodell, um die optimale Reihenfolge für die Schichten des Folgetags berechnen zu lassen.
  • Ein Fertigungsplaner modelliert mithilfe modularer Bausteine eine neue Fertigungszelle in zwei Stunden am Rechner, um Engpässe vor der Beschaffung auszuschließen.
  • Das KVP-Team simuliert geänderte Produktmix-Szenarien auf einer ausgelasteten Lötlinie, um den Durchsatz ohne Neuinvestitionen zu steigern.

Voraussetzungen

  • Eine konsistente Datenanbindung an das führende ERP-System für Auftrags-, Arbeitsplatz- und Schichtzeitinformationen muss gewährleistet sein.
  • Fertigungszellen müssen in modular wiederverwendbaren Simulationsbibliotheken digital abgebildet werden.
  • Das Planungsteam benötigt Methodenkompetenz im Umgang mit der Simulationssoftware und den zugrunde liegenden Optimierungsalgorithmen.

Nutzen

Für Unternehmen

  • Vermeidung sechsstelliger Neuinvestitionen durch gezielte Durchsatzsteigerung auf bestehenden Linien
  • Verkürzung der Aufbauzeit neuer Fertigungslinien von rund drei Monaten auf drei Wochen
  • Erreichen von hundert Prozent Liefertreue und Produktqualität bei hoher Varianz
  • Sechsstellige jährliche Kosteneinsparungen im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses

Für Beschäftigte

  • Objektive Entscheidungshilfe für die tägliche Einteilung der Auftragsreihenfolge
  • Schnelle Erstellung von Zellenmodellen in rund zwei Stunden dank modularer Bausteine
  • Gefahrlose virtuelle Erprobung von Ablaufänderungen vor dem Eingriff in die laufende Linie
  • Entlastung von manueller Engpassanalyse und komplexen Belegungsberechnungen

Für Privatpersonen

  • Verlässliche Verfügbarkeit industrieller Elektronikkomponenten ohne Lieferverzögerungen
  • Gleichbleibend hohe Produktqualität fehlerfreier Steuerungen und Router für Endanwendungen
  • Ressourcenschonendere Geräteherstellung durch das Ziel einer abfallfreien Produktion

Herausforderungen

Für Unternehmen

  • Notwendigkeit einer konsistenten Datenbasis aus Schichtplänen, Arbeitsplätzen und SAP ERP
  • Aufwand für die initiale Erstellung und Pflege modularer digitaler Abbilder der Fertigungszellen
  • Abstimmung interner Optimierungsalgorithmen auf komplexe Abhängigkeiten der Linien

Für Beschäftigte

  • Einarbeitung in die Modellierung und Parametrierung ereignisdiskreter Simulationen
  • Verständnis für die Vorschläge des intern programmierten Optimierungsalgorithmus
  • Laufende Pflege von Arbeitsplatzdaten und Rüstzeiten bei Prozessänderungen

Für Privatpersonen

  • Indirekte Abhängigkeit von fehlerfreier Datenpflege im Werk für stabile Liefertermine
  • Keine direkte Einsichtsmöglichkeit für Endabnehmer in die internen Simulationsabläufe
  • Hohe Erwartung an eine unterbrechungsfreie Belieferung trotz kleinster Losgrößen

Wirkung

Statische Tabellen oder einfache ERP-Terminierungslogiken berücksichtigen keine dynamischen Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Produktvarianten und schwankenden Bearbeitungszeiten an verketteten Stationen. Eine ereignisdiskrete Simulation mit heuristischen Optimierungsalgorithmen kann hingegen Millionen möglicher Auftragsabfolgen simulieren, Wartezeiten exakt abbilden und Engpässe sekundengenau vorhersagen. Backwards-Scheduling-Logiken und komplexe Pufferdimensionierungen lassen sich nur durch dynamische Modellierung realitätsnah überprüfen, bevor sie im ERP-System für die reale Fertigung freigegeben werden.

Für Unternehmen

Wer Werke in Hochlohnländern betreibt, muss flexibel auf kleine Losgrößen und hohe Variantenvielfalt reagieren können. Die digitale Ablaufsimulation sichert Wettbewerbsvorteile durch maximale Liefertreue und Qualität bei minimalen Rüstzeiten. Unternehmen ohne virtuelle Vorabvalidierung riskieren Linienstillstände und hohe Rüstkosten bei Kleinserien.

Die Simulation ermöglicht erhebliche Einsparungen bei Anlageinvestitionen, da Engpässe auf Bestandsanlagen ohne teure Zukäufe behoben werden können. Bei Siemens MF-K wurde eine sechsstellige Investition in eine Ersatzlötlinie vermieden und im kontinuierlichen Verbesserungsprozess werden jährliche Einsparungen im sechsstelligen Bereich erzielt. Zudem verringert die Verkürzung von Linieninbetriebnahmen von drei Monaten auf drei Wochen die Time-to-Market neuer Produkte.

Die Produktionsplanung wandelt sich von einer statischen Schichtplanung zu einer dynamischen, täglich simulierten Ablaufsteuerung. Schicht-, Arbeitsplatz- und Auftragsdaten aus dem ERP fließen direkt in Modelle ein, wodurch Planungsfehler minimiert werden. Durch vorgefertigte Module sinkt die Modellierungszeit für neue Fertigungszellen auf rund zwei Stunden.

Für Beschäftigte

Planende und Linienverantwortliche werden von stressigen ad-hoc-Entscheidungen bei unerwarteten Linienüberlastungen entlastet. Die Simulation bietet eine abgesicherte Basis für die tägliche Schichteinteilung, wodurch Hektik an der Linie vermieden wird. Das Ausprobieren neuer Konfigurationen erfolgt risikofrei im Modell statt im laufenden Drei-Schicht-Betrieb.

Die Rolle der Fertigungssteuerer wandelt sich vom reaktiven Problemlöser zum virtuellen Prozessgestalter. Sie nutzen Simulationswerkzeuge eigenständig im Alltag, um Auftragsabläufe proaktiv zu balancieren. Die Modellierungskompetenz wird dezentral im Werk verankert, statt isoliert in Stabsabteilungen zu verbleiben.

Mitarbeitende erweitern ihr Profil um Methoden der Ablaufsimulation und das Arbeiten mit digitalen Fabrikmodellen. Die Fähigkeit, Simulationsparameter zu analysieren und ERP-Rückmeldungen zu interpretieren, gewinnt an Bedeutung. Das Prozesswissen erfahrener Fachkräfte fließt direkt in die Parametrierung der Simulationsmodule ein.

Für Privatpersonen

Kunden erhalten hochspezialisierte Elektronikgeräte wie Industrie-PCs und Steuerungen trotz individueller Konfiguration pünktlich geliefert. Die lückenlose Qualitätssicherung verhindert Ausfälle beim Einsatz in kritischen Infrastrukturen oder Industrieanlagen.

Stabile und effiziente Produktionsprozesse sichern hochwertige Industriearbeitsplätze an heimischen Standorten. Die ressourcenschonende Ausrichtung auf eine abfallfreie Fertigung trägt zur Reduzierung industrieller Materialverluste bei.