KI-Lösungen · Use Case

Anlagenspezifisches Betriebswissen per KI-Assistent in Echtzeit abrufen

BASF setzt mit PlantGPT einen generativen KI-Assistenten ein, der Werks- und Engineering-Teams anlagenspezifisches Wissen in Echtzeit bereitstellt. Das System erschließt tausende technische Dokumente, Sicherheitsleitfäden und Materialinformationen direkt für den laufenden Betrieb am Standort Geismar. Neben der Beschleunigung operativer Entscheidungen unterstützt die Lösung auch das gezielte Onboarding neuer Mitarbeiter.

In modernen Chemieanlagen entscheiden Sekunden und präzise Fakten über reibungslose Betriebsabläufe. Am Acetylwerk von BASF in Geismar erschließt der generative KI-Assistent PlantGPT tausende Dokumente, Sicherheitsleitfäden und Materialdaten direkt für die operativen Teams vor Ort.

Worum es geht

In verfahrenstechnischen Anlagen erfordert der sichere Betrieb den ständigen Zugriff auf umfangreiche Dokumentationen, Verfahrensanweisungen und Materialeigenschaften. Ein generativer KI-Assistent durchsucht diese komplexen Informationsbestände in Sekundenschnelle und liefert verlässliche Antworten auf operative Fragestellungen. Am Acetylwerk von BASF in Geismar greifen die Betriebs- und Ingenieurteams im laufenden Schichtbetrieb auf das System zu, um Routineabläufe und Störungen fundiert zu bearbeiten. Entwickelt wurde die Anwendung standortübergreifend in Zusammenarbeit mit den Digital Hubs in Ludwigshafen und Madrid. Durch die strukturierte Aufbereitung tausender sicherheits- und anlagentechnischer Dokumente werden Fehlersuchen verkürzt und Entscheidungswege optimiert. Darüber hinaus dient das System als interaktives Trainingswerkzeug, mit dem neue Kolleginnen und Kollegen während der Einarbeitung direkt von hinterlegtem Expertenwissen profitieren.

Einordnung

  • Reifegrad: Growing
  • Komplexität: Mittel
  • Technologie: Generative KI, Large Language Models (LLM), Retrieval-Augmented Generation

Typische Einsatzmuster

  • Ein Ingenieur fragt im laufenden Betrieb spezifische Sicherheitsverfahren für eine verfahrenstechnische Komponente ab und erhält binnen Sekunden die relevanten Handlungsanweisungen.
  • Ein neues Teammitglied nutzt das System während der Schicht als interaktiven Leitfaden, um sich mit standortspezifischen Materialeigenschaften und Anlagenstrukturen vertraut zu machen.
  • Ein Instandhaltungsteam zieht den Assistenten heran, um bei einer operativen Unregelmäßigkeit technische Dokumentationen und historische Werkseinstellungen simultan abzugleichen.

Voraussetzungen

  • Das System benötigt eine vollständig digitalisierte und kuratierte Datenbasis aus anlagenspezifischen Dokumenten, Sicherheitsvorschriften und Materialinformationen.
  • Die technische Architektur muss durch Retrieval-Augmented Generation gewährleisten, dass Antworten präzise auf internen Quellen basieren und keine Falschinformationen generiert werden.
  • Eine enge Kooperation zwischen dem operativen Werkspersonal und spezialisierten Digital Hubs ist für die Entwicklung, Validierung und standortbezogene Anpassung zwingend erforderlich.

Nutzen

Für Unternehmen

  • Schnellere operative Entscheidungsfindung durch Echtzeitzugriff auf Anlagen- und Materialdaten
  • Effizientere Wissenssicherung und standortübergreifende Bündelung ingenieurtechnischer Expertise
  • Verkürzte Einarbeitungszeiten für neues technisches Personal an komplexen Produktionsstandorten
  • Höhere Verlässlichkeit und Konsistenz bei der Anwendung interner Sicherheitsvorschriften

Für Beschäftigte

  • Sofortige Entlastung von langwierigen manuellen Suchvorgängen in unübersichtlichen Dokumenten
  • Strukturierte Unterstützung und schnelle Orientierung während der betrieblichen Einarbeitungsphase
  • Mehr Sicherheit bei technischen Entscheidungen durch unmittelbaren Abruf validierter Sicherheitsleitfäden

Für Privatpersonen

  • Höhere Versorgungssicherheit mit Vorprodukten durch verlässlicheren und stabileren Anlagenbetrieb
  • Indirekte Stärkung von Sicherheitsstandards durch minimierte operative Fehlerrisiken in der Produktion
  • Transparente und moderne Qualitätsstandards entlang industrieller Lieferketten

Herausforderungen

Für Unternehmen

  • Notwendigkeit der kontinuierlichen Pflege und Aktualisierung tausender zugrundeliegender Anlagendokumente
  • Sicherstellung präziser und sicherheitskonformer Antworten ohne Halluzinationen des Sprachmodells
  • Aufwand für die standortübergreifende Koordination zwischen Werksbetrieb und globalen IT-Hubs
  • Integration in bestehende interne IT-Sicherheitsarchitekturen und Zugriffsbeschränkungen

Für Beschäftigte

  • Notwendigkeit, die Verlässlichkeit generierter Antworten anhand von Primärquellen gegenzuprüfen
  • Gewöhnung an dialogbasierte Abfragemethoden anstelle traditioneller Handbücher
  • Gefahr einer Übervertraulichkeit in automatisierte Antworten bei kritischen Prozessstörungen

Für Privatpersonen

  • Kein direkter Zugriff für Endverbraucher auf interne Werkstools
  • Mangelnde Sichtbarkeit interner KI-Fortschritte für Kunden am Ende der Lieferkette
  • Geringes Verständnis für den Einfluss industrieller KI auf Endprodukte

Wirkung

Klassische Dokumenten-Management-Systeme und Volltextsuchen bieten lediglich starre Stichworttreffer, können jedoch keine inhaltlichen Zusammenhänge zwischen verfahrenstechnischen Prozeduren, Sicherheitshinweisen und Materialeigenschaften synthetisieren. Generative KI auf Basis von Retrieval-Augmented Generation versteht komplexe natürlichsprachliche Fragen und extrahiert die relevanten Fakten direkt aus tausenden heterogenen Dokumenten. Das Modell formuliert kontextbezogene, anlagenspezifische Antworten in Echtzeit und passt sich flexibel an unvorhergesehene Fragestellungen an, was mit starren regelbasierten Programmen unmöglich ist.

Für Unternehmen

Chemieunternehmen, die anlagenspezifisches Fachwissen über KI-Systeme in Echtzeit verfügbar machen, sichern sich operative Agilitätsvorteile gegenüber Wettbewerbern mit traditionellen, silobasierten Dokumentenablagen. Die nahtlose Verzahnung von operativen Werken und globalen Digital Hubs ermöglicht zudem eine schnellere Skalierung digitaler Innovationen über verschiedene Standorte hinweg.

Der Einsatz von generativen Assistenten für das Betriebswissen optimiert die Produktivität technischer Fachkräfte, da zeitaufwendige Dokumentenrecherchen entfallen. Schnellere Entscheidungen bei Betriebsfragen tragen dazu bei, Ausfallzeiten zu minimieren und die Gesamteffektivität industrieller Produktionsanlagen zu steigern.

Betriebs- und Engineering-Abläufe wandeln sich von einer statischen Handbuch-Recherche hin zu einer interaktiven Wissensabfrage im Schichtbetrieb. Für den Betrieb müssen Unternehmen standardisierte Datenpipelines und Governance-Modelle etablieren, um tausende technische Leitfäden und Materialdaten fortlaufend konsistent zu halten.

Für Beschäftigte

Dein Arbeitsalltag an der Anlage wird durch den digitalen Assistenten spürbar erleichtert, da wiederkehrende Informationssuchen automatisiert werden. Dein fachliches Urteilsvermögen bleibt unverzichtbar, doch du triffst operative Entscheidungen mit mehr Sicherheit und auf Basis verifizierter Anlagendaten.

Deine Rolle im Werksbetrieb wandelt sich vom reinen Ausführenden geschriebener Handlungsanweisungen hin zu einem datengestützt agierenden Problemlöser. Insbesondere in der Einarbeitung gewinnst du schnell Autonomie, da dir der Assistent als interaktiver Begleiter für verfahrenstechnische Fragen zur Seite steht.

Du benötigst künftig fundierte Kompetenzen im präzisen Formulieren technischer Prompts sowie die Fähigkeit, KI-generierte Antworten kritisch anhand der hinterlegten Sicherheitsvorschriften einzuordnen.

Für Privatpersonen

Für Sie als indirekten Abnehmer oder Verbraucher äußert sich dieser Fortschritt in einer zuverlässigen Lieferkette und stabilen Produktqualität von industriellen Zwischenprodukten, da operative Störungen im Herstellprozess rascher und fundierter gelöst werden.

Die Einführung industrieller KI verdeutlicht, wie generative Technologien abseits von Konsumentenanwendungen zur Absicherung kritischer Industrieinfrastrukturen und zur Einhaltung höchster Umwelt- und Sicherheitsstandards beitragen.