KI-Lösungen · Use Case

Kommissionieren per Datenbrille

KI-gestützte Augmented Reality auf Datenbrillen führt Lagerhelfer visuell durch den Kommissionierprozess, um die Effizienz zu steigern und Fehler zu minimieren.

Ihre Lagerhelfer werden Schritt für Schritt durch den Kommissionierprozess geführt — freihändig, in Echtzeit, mit exakter Navigationsanweisung direkt im Sichtfeld. Das System zeigt nicht nur was zu tun ist, sondern auch genau wo.

Worum es geht

Dieser Anwendungsfall, oft als 'Pick-by-Vision' bezeichnet, revolutioniert die Arbeit von Hilfskräften in der Logistik. Anstatt mit Papierlisten oder Handscannern zu arbeiten, tragen die Mitarbeiter eine Datenbrille. Ein KI-gestütztes System blendet alle relevanten Informationen wie Lagerplatz, Artikel und Stückzahl direkt ins Sichtfeld des Mitarbeiters ein und zeigt den optimalen Weg zum nächsten Artikel. Eine integrierte Kamera kann Barcodes scannen und die Entnahme mittels Computer Vision bestätigen. Dies ermöglicht freihändiges Arbeiten, reduziert die Suchzeiten und senkt die Fehlerquote drastisch, was die Produktivität um bis zu 35% steigern kann.

Einordnung

  • Reifegrad: Mature
  • Komplexität: Mittel
  • Technologie: Computer Vision, Augmented Reality, Wearable Technology

Passende Branchen

  • E-Commerce
  • Großhandel
  • Lagerhaltung & Logistikdienstleister
  • Pharma-Großhandel & -Dienstleistungen

Typische Einsatzmuster

  • Der Lagerhelfer im E-Commerce-Fulfillmentcenter erhält seinen Kommissionierauftrag drahtlos auf seine Datenbrille und wird Schritt für Schritt durch das Lager geführt, wobei die optimale Route automatisch berechnet wird.
  • Im Pharma-Großhandel nutzen Mitarbeiter die visuelle Führung, um verwechslungsfrei Medikamente mit ähnlicher Verpackung zu kommissionieren und die gesetzlichen Vorgaben zur Qualitätssicherung einzuhalten.
  • Der Großhandel setzt die Technologie ein, um saisonale Auftragsspitzen zu bewältigen, indem die Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter durch die intuitive visuelle Navigation erheblich verkürzt wird.

Voraussetzungen

  • Eine zuverlässige WLAN-Infrastruktur im Lager ist zwingend erforderlich, da die Datenbrillen Echtzeit-Verbindung zum Lagerverwaltungssystem benötigen und Unterbrechungen den gesamten Kommissionierprozess stoppen würden.
  • Die Anbindung an bestehende WMS- oder ERP-Systeme muss gewährleistet sein, damit Aufträge automatisch an die Datenbrille übertragen werden können und Lagerbestände in Echtzeit synchronisiert bleiben.
  • Eine robuste IT-Infrastruktur mit ausreichend IT-Support-Kapazitäten ist nötig, da der Einsatz von Wearables neue Wartungs- und Schulungsanforderungen mit sich bringt.

Nutzen

Für Unternehmen

  • Steigerung der Kommissionierleistung um bis zu 35%
  • Reduzierung der Fehlerquote auf nahezu Null
  • Schnellere Einarbeitung von neuem Personal
  • Erhöhte Prozessflexibilität und Transparenz

Für Beschäftigte

  • Freihändiges und ergonomischeres Arbeiten
  • Reduzierung von kognitivem Stress und Suchaufwand
  • Intuitive, visuelle Prozessführung
  • Erhöhte Arbeitssicherheit

Für Privatpersonen

  • Schnellere Auftragsabwicklung und Lieferung
  • Weniger Falschlieferungen und Retouren
  • Erhöhte Zuverlässigkeit des Lieferprozesses
  • Verbesserte Kundenzufriedenheit

Herausforderungen

Für Unternehmen

  • Hohe Anschaffungskosten für die Smart Glasses und Software
  • Integration in bestehende Lagerverwaltungssysteme (WMS/ERP)
  • Sicherstellung einer stabilen WLAN-Abdeckung im gesamten Lager
  • Management von Hardware (Akkulaufzeit, Reparaturen)

Für Beschäftigte

  • Akzeptanz und Tragekomfort der Datenbrillen über eine ganze Schicht
  • Datenschutzbedenken durch die integrierte Kamera
  • Umgang mit einer neuen Mensch-Maschine-Schnittstelle
  • Abhängigkeit von der funktionierenden Technik

Für Privatpersonen

  • Indirekte Abhängigkeit von der Stabilität der Lagertechnologie
  • Mangelnde Transparenz über die eingesetzten Technologien im Fulfillment-Prozess

Wirkung

Klassische regelbasierte Software kann Lagerhelfer nicht dynamisch durch einen sich ändernden Kommissionierauftrag führen, da sie auf vordefinierte If-Then-Logik angewiesen ist und keine Echtzeitanpassung an veränderte Bedingungen wie Nachbestellungen oder Umlagerungen vornehmen kann. Regelbasierte Systeme können keine visuellen Hinweise generieren, die den Mitarbeiter intuitiv durch den physischen Raum navigieren, sondern beschränken sich auf das Anzeigen von Textinformationen auf stationären Displays. Erst die Kombination aus Computer Vision und Augmented Reality ermöglicht eine Kontext-bezogene, visuelle Führung in Echtzeit, die den gesamten Kommissionierprozess abbildet und dem Mitarbeiter die Orientierung physisch abnimmt.

Für Unternehmen

Unternehmen, die Pick-by-Vision einsetzen, können schneller und fehlerfreier kommissionieren als Wettbewerber, die noch auf Pick-by-Light oder Pick-by-Voice setzen. Konkurrenten ohne diese Technologie riskieren längere Durchlaufzeiten, höhere Retourenquoten und steigende Personalkosten durch ineffizientere Prozesse, was ihren Wettbewerbsvorsprung in einem zunehmend margenarmen Logistikmarkt sukzessive erodeirt.

Unternehmen können ihre Kommissionierprozesse grundlegend transformieren, indem sie von manuellem Scannen und Papierlisten auf eine durchgehend digitale, visuell geführte Arbeitsweise umstellen. Die wegfallenden Kosten für Handscanner und Verbrauchsmaterialien stellen eine unmittelbare Entlastung dar, auch wenn die Investition in Datenbrillen und Software zunächst höher ausfällt als bei klassischen Systemen.

Der Kommissionierprozess ändert sich grundlegend: Lagerhelfer erhalten relevante Informationen wie Lagerplatz, Menge und Navigationspfeile direkt im Sichtfeld angezeigt, ohne den Arbeitsfluss unterbrechen zu müssen. Die Echtzeit-Anbindung an Lagerverwaltungssysteme ermöglicht sofortige Aktualisierungen und reduziert den Koordinationsaufwand zwischendisziplinär erheblich.

Für Beschäftigte

Der Arbeitsalltag von Lagerhelfern verändert sich spürbar: Beide Hände sind frei für die eigentliche Kommissionierarbeit, wodurch das lästige Festhalten eines Scanners oder das Wechseln zwischen Gerät und Ware entfällt. Der kognitive Suchaufwand sinkt erheblich, da das System den kürzesten Weg zum nächsten Lagerplatz visuell anzeigt und Umrandungen die gesuchte Ware direkt hervorheben.

Die Rolle des Lagerhelfers entwickelt sich von einer primär manuellen Tätigkeit hin zu einer stärker systemgestützten Arbeit, bei der die menschliche Kontrolle über den Prozess erhalten bleibt. Langfristig steigt der Wert dieser Rolle, da die Fehleranfälligkeit sinkt und die Effizienz steigt, was die Position im Unternehmen aufwertet statt sie zu gefährden.

Mitarbeiter müssen den Umgang mit der Datenbrille und der zugehörigen Software erlernen, was jedoch als relativ intuitiv beschrieben wird. Die Fähigkeit, Echtzeit-Informationen aus dem System korrekt zu interpretieren und die visuelle Führung sicher im Arbeitsprozess umzusetzen, wird zu einer neuen Kernkompetenz.

Für Privatpersonen

Endkunden profitieren unmittelbar von einer präziseren Kommissionierung, da die visuelle Führung der Lagerhelfer Falschlieferungen deutlich reduziert. Schnellere Durchlaufzeiten in der Logistik verkürzen die Lieferzeit, während weniger Retouren zuverlässigere Lieferungen und ein konsistenteres Einkaufserlebnis ermöglichen.

Quellen