KI-Lösungen · Use Case

Geschäftsprozesse per Process Mining durchleuchten

Wirtschaftsprüfer nutzen KI-gestütztes Process Mining, um aus ERP-Systemdaten den tatsächlichen Ablauf von Tausenden von Geschäftsprozessen zu rekonstruieren und auf Abweichungen vom Soll-Prozess zu prüfen.

KI-gestütztes Process Mining rekonstruiert den vollständigen Ist-Ablauf aller Geschäftsprozesse — direkt aus Ihren ERP-Systemdaten. Wirtschaftsprüfer und Unternehmen erkennen Abweichungen vom Soll-Prozess, die bei Stichproben unentdeckt bleiben. Auf 100 Prozent der Transaktionen. Nicht auf wenigen Prozent.

Worum es geht

Anstatt durch Interviews und Stichproben das interne Kontrollsystem (IKS) zu prüfen, analysiert eine KI die digitalen Spuren, die jeder Prozess im IT-System hinterlässt. Sie visualisiert den realen „Procure-to-Pay“-Prozess und deckt automatisch auf, wenn z.B. Bestellungen ohne die erforderliche Genehmigung ausgelöst wurden. Für den Wirtschaftsprüfer wird die KI zum Röntgenapparat für Unternehmensprozesse. Er kann seine Prüfung von einer stichprobenbasierten zu einer vollständigen, datengestützten Prozessanalyse weiterentwickeln, die viel tiefere und verlässlichere Einblicke in die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsabläufe bietet.

Einordnung

  • Reifegrad: Growing
  • Komplexität: Hoch
  • Technologie: Process Mining, Maschinelles Lernen, Anomalieerkennung

Passende Branchen

  • Banken & Finanzdienstleister
  • Unternehmensberatung
  • Wirtschaftsprüfung & Steuerberatung

Typische Einsatzmuster

  • Ein Wirtschaftsprüfer nutzt KI-gestütztes Process Mining, um aus SAP S/4HANA-Transaktionsdaten den vollständigen Ist-Ablauf aller Bestellprozesse eines Unternehmens automatisch zu rekonstruieren und Abweichungen vom Soll-Prozess zu identifizieren.
  • Eine Unternehmensberatung setzt Machine-Learning-basierte Anomalieerkennung ein, um bei der Due-Diligence-Prüfung verdächtige Buchungsmuster in den Finanzdaten des Zielunternehmens aufzudecken.
  • Ein Finanzdienstleister verwendet KI-gestützte Analysen, um interne Kontrollschwächen in seinen Zahlungsabwicklungsprozessen kontinuierlich zu überwachen und proaktiv Risikobereiche zu kennzeichnen.

Voraussetzungen

  • Die ERP-Systeme müssen über strukturierte Schnittstellen für den Export relevanter Transaktionsdaten verfügen, wobei eine saubere Anbindung an Data-Lake-Architekturen wie SAP S/4HANA empfohlen wird.
  • Eine zentrale Voraussetzung ist die hohe Datenqualität der Buchungsjournale und Stammdaten, da KI-Analysen nur so zuverlässig sind wie die zugrunde liegenden Eingangsdaten und verunreinigte Daten zu falschen Anomalieerkennungen führen können.
  • Die Compliance- und Nachvollziehbarkeitsanforderungen der Wirtschaftsprüferstandards müssen erfüllt sein, da die KI-Ausgaben dokumentiert und validiert werden müssen, um als Grundlage für Prüfungsurteile dienen zu können.

Nutzen

Für Unternehmen

  • Vollständige Prüfung von Geschäftsprozessen statt nur Stichproben
  • Effektivere Aufdeckung von internen Kontrollschwächen und Betrugsrisiken
  • Steigerung der Prüfungsqualität und -sicherheit
  • Identifikation von operativen Ineffizienzen als Mehrwert für den Mandanten

Für Beschäftigte

  • Automatisierte Rekonstruktion und Visualisierung von Ist-Prozessen
  • Fokus auf die Analyse von Abweichungen und Risiken
  • Datengestützte und objektive Grundlage für das Prüfungsurteil
  • Aufwertung der Rolle zum technologie- und prozessorientierten Berater

Für Privatpersonen

  • Höheres Vertrauen in die testierten Jahresabschlüsse
  • Besserer Schutz für Investoren vor dolosen Handlungen
  • Stärkung der Corporate Governance

Wirkung

Klassische regelbasierte Software versagt bei der Verarbeitung großer, komplexer Datensätze aus ERP-Systemen, weil sie subtile Muster und Korrelationen zwischen unstrukturierten Daten wie Buchungsjournalen und E-Mails nicht erkennt. Regelbasierte If-Then-Logik kann nur vordefinierte Szenarien abdecken und übersieht systematische Unregelmäßigkeiten, die nicht explizit als Regel hinterlegt wurden. KI-basierte Anomalieerkennung hingegen analysiert alle Transaktionen in Echtzeit, identifiziert auch unerwartete Abweichungen und ermöglicht damit erstmals eine echte Vollprüfung statt einer Stichprobenprüfung.

Für Unternehmen

Unternehmen, die diese Technologie nutzen, gewinnen einen deutlichen Informationsvorsprung bei der internen Kontrolle und Prozessoptimierung. Wettbewerber ohne KI-Unterstützung müssen weiterhin auf Stichproben setzen und tragen ein höheres Restrisiko unentdeckter Abweichungen. Die Fähigkeit zur lückenlosen Vollprüfung wird zum Differenzierungsmerkmal in der Wirtschaftsprüfungsbranche.

Wirtschaftsprüfungsunternehmen, die KI-gestütztes Process Mining einsetzen, können von der Stichprobenprüfung zur vollständigen Analyse aller Transaktionen übergehen. Diese Umstellung verändert das Risikoprofil der Prüfung grundlegend, da systematische Unregelmäßigkeiten nicht mehr übersehen werden können, die bei klassischen Stichproben unentdeckt blieben. Die effektivere Aufdeckung interner Kontrollschwächen und Betrugsrisiken kann Haftungsrisiken für Unternehmen und deren Stakeholder reduzieren.

Der operative Wandel liegt in der automatisierten Rekonstruktion und Visualisierung der tatsächlichen Ist-Prozesse aus ERP-Systemdaten. Wirtschaftsprüfer müssen nicht mehr manuell einzelne Prozessschritte nachvollziehen, sondern erhalten eine ganzheitliche Ansicht aller Abläufe auf Knopfdruck. Die Anomalieerkennung durch KI ermöglicht die Konzentration auf Hochrisikobereiche statt auf zeitraubende Routineprüfungen.

Für Beschäftigte

Für Wirtschaftsprüfer entfällt ein erheblicher Teil der monotonen manuellen Durchsicht von Buchungsjournalen und Transaktionsdaten. Stattdessen übernimmt die KI die standardisierte Anomalieerkennung und liefert eine priorisierte Liste potenzieller Risiken. Der Arbeitsalltag verlagert sich von der Datensammlung hin zur qualifizierten Bewertung und Interpretation der KI-Ergebnisse.

Die Rolle des Wirtschaftsprüfers entwickelt sich von der ausführenden Prüftätigkeit hin zur strategischen Beraterrolle mit höherer Wertschöpfung. Während Routinetätigkeiten automatisiert werden, steigt die Nachfrage nach Fachleuten, die komplexe KI-Ergebnisse bewerten und in Prüfungsurteile übersetzen können. Für Prüfer, die diese Kompetenz aufbauen, entstehen neue Karrieremöglichkeiten.

Prüfer müssen lernen, mit KI-generierten Analysen zu arbeiten und deren Ergebnisse kritisch einzuordnen. Die Fähigkeit, maschinelle Erkenntnisse in einen geschäftlichen Kontext zu setzen und begründete Prüfungsurteile abzugeben, gewinnt an Bedeutung. Grundlegende Datenkompetenz und ein Verständnis für algorithmische Entscheidungsfindung werden zunehmend erforderlich.

Für Privatpersonen

Anleger und Stakeholder profitieren von einer höheren Prüfqualität, da mehr Transaktionen auf Anomalien geprüft werden können statt nur Stichproben. Investoren erhalten dadurch verlässlichere Informationen für ihre Anlageentscheidungen. Der Schutz vor dolosen Handlungen in geprüften Unternehmen verbessert sich, was das Vertrauen in die Kapitalmärkte stärkt.

Die breitere Anwendung von KI in der Wirtschaftsprüfung stärkt das Vertrauen in die Integrität geprüfter Unternehmensdaten, was für Investoren und die Öffentlichkeit gleichermaßen relevant ist.

Quellen