KI-Lösungen · Use Case

Filialbestände im Lebensmittelhandel prognostizieren

KI-Prognosen schätzen für jede Filiale und jeden Artikel, wie viel Ware voraussichtlich gebraucht wird. Sie berücksichtigen Verkaufsverlauf, Wetter, Feiertage und Aktionen und helfen, Regallücken wie Überbestände zu vermeiden.

Ihre Filialen bekommen für jeden Artikel einen Bestellvorschlag aus Verkaufsverlauf, Wetter und Kalender. Das senkt Verluste und Lücken zugleich.

Worum es geht

Lebensmittelmärkte bestellen täglich tausende Artikel, die schnell verderben. Bestellt ein Markt zu wenig, bleiben Regale leer und Kunden gehen; bestellt er zu viel, landet Ware im Müll. Prognosemodelle lernen aus dem Verkaufsverlauf jeder Filiale und jedes Artikels und verbinden ihn mit Einflussgrößen wie Wetter, Feiertagen, Ferien und Aktionen. Aus der erwarteten Nachfrage entsteht ein Bestellvorschlag, den Marktleitung oder Disposition prüfen und anpassen. Die Modelle werden laufend mit den tatsächlichen Verkäufen abgeglichen und verbessert. Besonders bei Frischware und Aktionsartikeln liefern sie genauere Werte als pauschale Faustregeln.

Einordnung

  • Reifegrad: Growing
  • Komplexität: Mittel
  • Technologie: Zeitreihenprognose, maschinelles Lernen, Einbindung externer Daten (Wetter, Kalender)

Passende Branchen

  • Einzelhandel
  • Lebensmittel- & Getränkeindustrie

Typische Einsatzmuster

  • Eine Marktleiterin erhält morgens einen Bestellvorschlag für Frischware und passt wenige Positionen an.
  • Vor einem Feiertag steigert das System die Menge für Grillartikel, weil Vorjahre und Wetterprognose das nahelegen.
  • Die Zentrale vergleicht Prognose und tatsächliche Verkäufe und verbessert die Modelle für Artikelgruppen mit großen Abweichungen.

Voraussetzungen

  • Saubere Verkaufs- und Bestandsdaten je Filiale und Artikel über einen ausreichend langen Zeitraum.
  • Die Anbindung externer Daten wie Wetter, Ferien und Aktionskalender.
  • Eine klare Regel, wer Vorschläge prüft und bei Abweichungen entscheidet.

Nutzen

Für Unternehmen

  • Weniger Abschriften bei verderblicher Ware
  • Weniger Regallücken und entgangene Verkäufe
  • Bessere Planung von Lieferungen und Personal
  • Einheitliche Datenbasis über alle Filialen

Für Beschäftigte

  • Weniger Zeit für manuelle Bestellrunden
  • Nachvollziehbare Bestellvorschläge mit Begründung
  • Mehr Zeit für Kunden und Frischetheke

Für Privatpersonen

  • Seltener leere Regale bei beliebten Artikeln
  • Frischere Ware durch bedarfsgerechte Lieferung
  • Weniger Lebensmittelverschwendung

Herausforderungen

Für Unternehmen

  • Die Qualität der Verkaufs- und Bestandsdaten bestimmt die Qualität der Prognose
  • Besondere Ereignisse und neue Artikel sind schwer vorherzusagen
  • Systeme müssen an Warenwirtschaft und Lieferkette angebunden werden

Für Beschäftigte

  • Misstrauen gegenüber Vorschlägen, die der eigenen Erfahrung widersprechen
  • Verantwortung bei Fehlmengen bleibt unklar, wenn Vorschläge übernommen werden
  • Einarbeitung in neue Bestellmasken

Für Privatpersonen

  • Keine direkte Einflussmöglichkeit auf Sortiment oder Menge
  • Fehlprognosen führen trotzdem zu leeren Regalen
  • Wenig Transparenz darüber, wie Bestellungen entstehen

Wirkung

Klassische Dispositionssoftware rechnet mit festen Faktoren und Mittelwerten. Lernende Modelle erkennen viele Einflüsse gleichzeitig, etwa Wetter, Kalender und Aktionen, und lernen für jede Filiale und jeden Artikel eigene Muster, die sich ändern.

Für Unternehmen

Händler mit präziser Nachfrageplanung bieten frischere Regale bei geringeren Verlusten und können Preise stabiler halten.

Jede Abschrift und jede Regallücke kostet Marge. Bessere Prognosen verschieben beides in die richtige Richtung, ohne mehr Fläche oder Personal zu brauchen.

Die Bestellung wird von der täglichen Handarbeit zur Prüfung von Vorschlägen. Lieferungen und Personal lassen sich besser planen.

Für Beschäftigte

Disponenten und Marktleiter sehen zuerst einen Vorschlag und prüfen ihn gegen ihr Wissen über Lage und Ereignisse. Routinebestellung fällt weg, Ausnahmen bleiben.

Die Rolle verschiebt sich vom Bestellen zum Überwachen und Eingreifen bei Abweichungen.

Wichtig sind der Umgang mit Prognosewerten, Plausibilitätsprüfung und das Melden von Sonderereignissen an das System.

Für Privatpersonen

Kunden erleben seltener Regallücken und frischere Ware. Dass dahinter eine Prognose steht, merken sie nicht.

Weniger vernichtete Lebensmittel stärken die Akzeptanz des Handels.

Praxisbeispiele

Verbreitung: Dokumentiert bei 1 Organisation – 1 Pilot/Erprobung · Stand 08/2024

EDEKA Trabold: KI-gestützte Bestandsplanung auf Filial- und Artikelebene

Praxisbeispiel für Unternehmen · EDEKA Trabold · Pilot (Stand 08/2024) · Beleglage mittel

In Kooperation mit dem Projekt KI-Regio erprobt EDEKA Trabold den Einsatz von KI für die Absatz- und Bedarfsplanung.

Die Prognosemodelle sollen präzisere Vorhersagen von Nachfrage und Absatz auf Filial- und Artikelebene ermöglichen. Dabei werden historische Verkaufsdaten, saisonale Muster sowie externe Faktoren wie Wetter und Feiertage berücksichtigt. Ziel des Projekts ist es, Bestände zu optimieren, Überhänge sowie Lebensmittelverluste zu reduzieren und die Warenverfügbarkeit zu verbessern.

Auswirkungen – eingeordnet und belegt

Arbeit (Eingeordnet)

Marktleitung und Disposition prüfen Bestellvorschläge statt alles selbst zu schätzen. Dokumentiert ist ein Pilot in einem Forschungsprojekt.

Gestützt auf einen dokumentierten Praxisfall.

Wirtschaft (Belegt)

Prognosen sollen Bestände optimieren, Überhänge reduzieren und die Warenverfügbarkeit verbessern; gemessene Zahlen liegen nicht vor.

Gestützt auf einen dokumentierten Praxisfall.

Gesellschaft & Alltag (Eingeordnet)

Kundinnen und Kunden finden häufiger, was sie suchen; eine Wirkung ist nicht dokumentiert.

Gestützt auf einen dokumentierten Praxisfall.

Umwelt (Belegt)

Weniger Überhänge bedeuten weniger entsorgte Frischware; gemessene Wirkungen liegen nicht vor. Übergreifend erwarten Energieanalysen, dass sich der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 mehr als verdoppelt.

Gestützt auf einen dokumentierten Praxisfall.

Risiken & Regulierung (Belegt)

Zu niedrige Prognosen führen zu leeren Regalen; Sonderereignisse sind schwer vorherzusagen. Das System ist voraussichtlich kein Hochrisiko-System nach dem EU AI Act; Betreiber müssen voraussichtlich nach Artikel 4 für KI-Kompetenz sorgen.

Belegt: eine abgerufene Quelle oder ein freigegebener Praxisfall trägt die Aussage. Eingeordnet: redaktionelle Einschätzung. Offen: dazu ist nichts dokumentiert. Keine Rechtsberatung.

Quellen

Fachlich zugeordnete Tätigkeiten

Die Lösung passt zur Tätigkeit in einem fachlichen Kontext, aber nicht automatisch zu jedem Beruf mit dieser Tätigkeit.

Für diese Berufe ist die KI-Lösung relevant

Die fachliche Passung wurde KI-gestützt anhand der Anwendung und der beruflichen Aufgaben geprüft. Daraus folgt keine gemessene KI-Wirkung auf den gesamten Beruf.

  • Leiter eines Einzelhandelsgeschäftes: Leiter von Einzelhandelsgeschäften (Ladeninhaber, z. B. Lebensmittelhändler) sind direkt für den Einkauf, die Warenbestellung und die Bestandsplanung in ihrem Geschäft verantwortlich und nutzen Prognosesysteme für Bestellvorschläge.
  • Einkäufer: Einkäufer im Handel sind für die Bedarfsermittlung, den Einkauf für den Weiterverkauf und die Sicherstellung angemessener Lagerbestände zuständig und nutzen KI-Nachfrageprognosen direkt zur Dispositionsunterstützung.
  • Verkaufsaufsichtskräfte in Handelsgeschäften: Verkaufsaufsichtskräfte in Handelsgeschäften (z. B. Supermarktaufsichten) führen Bestandsaufnahmen durch und bestellen Ware nach; sie prüfen und bearbeiten die täglichen Bestellvorschläge für ihre Abteilungen.
  • Führungskräfte in Groß- und Einzelhandel: Führungskräfte im Groß- und Einzelhandel (Filialleiter, Supermarktleiter) sind direkt für Lagerbestände, Sortiment und Nachbestellungen verantwortlich und sind die explizite Kernzielgruppe für Filialprognosen.