KI-Lösungen · Use Case

Notrufe verstehen und Einsätze beschleunigen

KI-Systeme hören bei Notrufen in Echtzeit mit, um kritische Schlüsselwörter wie 'Herzstillstand' zu erkennen und Disponenten bei der schnelleren Einsatzentscheidung zu unterstützen.

Forschungsprojekte an Universitätskliniken zeigen, dass KI-gestützte Einsatzkoordination die Gesamtbearbeitungszeit deutlich verkürzt. Ihr Unternehmen kann diese Zeitgewinne nutzen, um mehr Patienten pro Schicht zu versorgen und die Personalauslastung zu verbessern.

Worum es geht

Dieser Anwendungsfall verbessert die Effizienz von Rettungsleitstellen. Eine KI wird in die Telefonanlage eingebunden und analysiert das Gespräch zwischen Anrufer und Disponent in Echtzeit. Mittels Spracherkennung und NLP erkennt die KI Schlüsselwörter, Symptombeschreibungen und sogar nonverbale Hinweise wie Atemmuster. Erkennt der Algorithmus etwa mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Herzstillstand, noch bevor der Disponent dies tut, zeigt er eine visuelle Warnung an. So lassen sich lebensrettende Maßnahmen wie die telefonische Anleitung zur Wiederbelebung früher starten und der richtige Rettungswagen schneller entsenden, was die Überlebenschancen deutlich erhöht.

Einordnung

  • Reifegrad: Growing
  • Komplexität: Hoch
  • Technologie: Speech Recognition, Natural Language Processing, Machine Learning

Passende Branchen

  • Krankenhäuser & Kliniken
  • Regierungsbehörden & Verwaltungen

Typische Einsatzmuster

  • Ein Disponent in der Leitstelle erhält während des Notrufs automatisierte Vorschläge für die Einsatzkategorisierung und benötigte Ressourcen, die er mit einem Klick bestätigen oder anpassen kann.
  • Der Rettungsdienst übermittelt während der Fahrt zur Klinik automatisch Vitaldaten und EKG-Ergebnisse, sodass die Notaufnahme vorbereitet ist und keine Zeit durch nachträgliche Kommunikation verloren geht.
  • Eine Klinik empfängt den ankommenden Patienten mit einer vollständigen digitalen Akte, die bereits alle relevanten Informationen aus dem Einsatzverlauf enthält und nicht erst zusammengetragen werden muss.

Voraussetzungen

  • Die bestehende Leitstellen-Infrastruktur muss DSGVO-konform angebunden werden können, wobei die Aufzeichnung und Analyse von Notrufen besondere datenschutzrechtliche Anforderungen erfüllen muss.
  • Eine zuverlässige Echtzeit-Datenverbindung zwischen Rettungsfahrzeugen, Leitstellen und Kliniken ist zwingend erforderlich, was in ländlichen Regionen eine Herausforderung darstellen kann.
  • Mitarbeitende in Leitstellen und Kliniken müssen gezielt geschult werden, um die KI-Empfehlungen sinnvoll in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren und die Technologie nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung zu nutzen.

Nutzen

Für Unternehmen

  • Erhöhung der Überlebensrate bei Herzstillstand um über 40%
  • Verbesserte Effizienz und Qualität in Notrufzentralen
  • Optimierung der Ressourcendisposition
  • Datengrundlage für die öffentliche Gesundheitsplanung

Für Beschäftigte

  • Echtzeit-Unterstützung bei kritischen Entscheidungen
  • Reduzierung der kognitiven Last in Stresssituationen
  • Verbesserte Genauigkeit bei der Erkennung von Notfällen
  • Kontinuierliches Qualitätsfeedback und Trainingsmöglichkeit

Für Privatpersonen

  • Schnellere Entsendung der richtigen Hilfe
  • Erhöhte Überlebenschancen bei lebensbedrohlichen Notfällen
  • Früherer Beginn von lebensrettenden Maßnahmen (z.B. Telefon-CPR)
  • Verbesserte Qualität der Notfallversorgung

Herausforderungen

Für Unternehmen

  • Hohe Kosten für Implementierung und Integration in bestehende Systeme
  • Datenschutz und Sicherheit bei der Aufzeichnung und Analyse von Notrufen
  • Benötigt umfangreiches Training mit lokalen Sprach- und Dialektdaten
  • Regulatorische und ethische Hürden

Für Beschäftigte

  • Vertrauen in die KI-Empfehlungen in einer hochriskanten Umgebung
  • Haftungsfragen bei Fehlfunktionen oder falschen Empfehlungen der KI
  • Die KI darf den menschlichen Disponenten nicht ablenken oder überfordern
  • Umgang mit Fehlalarmen oder nicht erkannten Notfällen

Für Privatpersonen

  • Datenschutzbedenken bezüglich der KI-Analyse von persönlichen Notrufen
  • Angst, dass die KI den menschlichen Faktor und die Empathie ersetzt
  • Akzeptanz der Technologie in einem so sensiblen Bereich

Wirkung

Klassische regelbasierte Software kann nur vordefinierte Wenn-dann-Pfade abdecken, doch bei Notrufen ist die sprachliche Vielfalt grenzenlos. Dieselbe lebensbedrohliche Situation wird von Anrufern völlig unterschiedlich beschrieben, und ein Wenn-dann-System würde viele kritische Fälle schlicht nicht erkennen. KI-gestützte Spracherkennung verarbeitet dagegen auch undeutliche Aussagen, Dialekte und Hinweise aus dem Kontext, die ein starres Regelwerk nie abbilden könnte. Forschungsprojekte zeigen, dass maschinelles Lernen auch ohne explizite Regeln Muster in Einsatzdaten erkennt und so eine deutlich schnellere Lageeinschätzung ermöglicht, die mit regelbasierter Software nicht erreichbar wäre.

Für Unternehmen

Einrichtungen mit Echtzeit-Datensynchronisation können die Lage-Einschätzung um 27 Prozent beschleunigen und disponieren schneller die richtigen Ressourcen. Rettungsdienste ohne solche Systeme riskieren längere Reaktionszeiten, unvollständige Patientenakten bei der Klinikeinweisung und eine schlechtere Versorgungsqualität, die in Bewertungen und Ausschreibungen sichtbar wird.

Rettungsdienste und Kliniken verlieren durch manuelle Datenübertragung mehrere Minuten pro Notfall. Forschungsprojekte an Universitätskliniken zeigen, dass intelligente Systeme die Gesamtbearbeitungszeit pro Notfall deutlich verkürzen, was die Personalkosten pro Einsatz und die Folgekosten verzögerter Behandlungen senkt.

Die Dokumentationszeit sinkt nachweislich von 9,2 Minuten auf 3,1 Minuten, was einer Reduktion von 66 Prozent entspricht. Die Datenvollständigkeit verbessert sich gleichzeitig von 67 auf 94 Prozent, wodurch Kliniken bei der Patientenübergabe vollständigere Informationen erhalten und Nachfragen wegfallen.

Für Beschäftigte

Rettungssanitäter und Notärzte verbringen aktuell bis zu zwei Stunden täglich mit administrativen Aufgaben, die nicht patientennah sind. Eine KI-gestützte Echtzeit-Synchronisation übernimmt die Dokumentation während des Einsatzes, sodass medizinisches Personal sich auf die Versorgung konzentrieren kann statt auf das Ausfüllen von Formularen.

Die Rolle des Disponenten verschiebt sich von manueller Dateneingabe hin zur strategischen Einsatzentscheidung auf Basis vollständigerer Informationen. Disponenten, die frühzeitig lernen, mit KI-Systemen zu arbeiten, werden für Rettungsdienste unverzichtbarer, während diejenigen, die ausschließlich manuelle Prozesse beherrschen, einem schleichenden Kompetenzverlust ausgesetzt sind.

Mitarbeitende müssen lernen, mit Echtzeit-Datenflüssen zu arbeiten und KI-Empfehlungen als Informationsquelle zu nutzen, nicht als verbindliche Anweisung. Die Fähigkeit, KI-generierte Lagebilder schnell zu interpretieren und kritisch zu bewerten, wird ebenso wichtig wie die medizinische Fachkompetenz selbst.

Für Privatpersonen

Wenn Sie einen Notruf absetzen, muss der Disponent nicht mehr manuell Daten tippen, sondern erhält KI-gestützte Vorschläge in Echtzeit. Die richtige Hilfe wird schneller disponiert, und die Klinik, die Sie aufnimmt, hat bereits Ihre relevanten Vitaldaten und Krankenvorgeschichte vorliegen, statt diese erst abfragen zu müssen.

Schnellere Einsatzentscheidungen und vollständigere Patientenakten bei der Klinikeinweisung verbessern die Versorgungsqualität für die gesamte Gesellschaft.

Auswirkungen – eingeordnet und belegt

Arbeit (Belegt)

Disponentinnen und Disponenten in Leitstellen bekommen Hinweise auf mögliche Herzstillstände schon während des Gesprächs und entscheiden weiter selbst. Dokumentiert ist ein Projekt in einer dänischen Notrufzentrale, das inzwischen eingestellt wurde. Gemessene Wirkungen auf die Arbeit liegen nicht vor.

  • offentlig-ai.dk 2024-02-12
    „har i samarbejde med virksomheden Corti udviklet en løsning“

Gestützt auf einen dokumentierten Praxisfall.

Wirtschaft (Eingeordnet)

Schnellere Erkennung kann Einsätze besser steuern; belastbare Kostenzahlen liegen nicht vor, und der dokumentierte Fall wurde eingestellt.

Gestützt auf einen dokumentierten Praxisfall.

Gesellschaft & Alltag (Belegt)

Anrufende können schneller Hilfe erhalten; Notrufe enthalten Gesundheitsdaten, die die DSGVO besonders schützt.

Umwelt (Offen)

Zu Energiebedarf oder Emissionen dieses Musters liegen keine dokumentierten Angaben vor.

Risiken & Regulierung (Belegt)

Falsche Hinweise können Disponenten fehlleiten, übersehene Hinweise Leben kosten; der eingestellte Fall zeigt, dass die Technik nicht überall trägt. Systeme zur Bewertung und Klassifizierung von Notrufen fallen voraussichtlich unter Anhang III Nummer 5 des EU AI Act.

Belegt: eine abgerufene Quelle oder ein freigegebener Praxisfall trägt die Aussage. Eingeordnet: redaktionelle Einschätzung. Offen: dazu ist nichts dokumentiert. Keine Rechtsberatung.

Quellen

Fachlich zugeordnete Tätigkeiten

Die Lösung passt zur Tätigkeit in einem fachlichen Kontext, aber nicht automatisch zu jedem Beruf mit dieser Tätigkeit.

Für diese Berufe ist die KI-Lösung relevant

Die fachliche Passung wurde KI-gestützt anhand der Anwendung und der beruflichen Aufgaben geprüft. Daraus folgt keine gemessene KI-Wirkung auf den gesamten Beruf.

  • Rettungsdienstpersonal: Rettungsdienstpersonal (Notfallsanitäter, Rettungsassistenten) nimmt medizinische Notrufe in Leitstellen entgegen, disponiert Einsatzmittel und führt die Notfalleinsätze vor Ort sowie während des Transports durch.